Integriertes Freiraumsystem Bonn

IFS Bonn - Einbindung in die regionale Bezugsebene

Die Städte und Gemeinden haben im Zuge der überall stattfindenden Umstrukturierungsprozesse eine Fülle z.T. neuartiger Aufgaben zu bewältigen. Häufig konkurrieren die Ansprüche von Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung mit den Anforderungen an qualitätvolle Lebens- und Erholungsräume. Mit der Bundesstadt Bonn wurde als Pilotprojekt beispielgebend das Integrierte Freiraumsystem (IFS) erarbeitet.

 

Das IFS der Stadt Bonn erhielt im Februar 2000 als "good-practice"- Beispiel im Forschungsfeld "Naturschutz und Städtebau" eine Urkunde des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen.

 

Durch die gesetzlichen Entwicklungen haben sich vielfach neue Ansprüche und Chancen für die Bauleitplanung ergeben, insbesondere im Zusammenhang mit Eingriff / Ausgleich / Ersatz. Politiker und Planer in der Kommune haben nun mehr Möglichkeiten, ganzheitliche Ansätze in die Freiflächen- und damit auch die Umweltplanung einzubringen.

 

Dazu gehören verbesserte Umsetzungschancen für Biotopverbundsysteme in städtisch geprägten Bereichen, für Entwicklungsziele und Festsetzungen des Landschaftsplans oder für sonstige umweltbezogene Entwicklungsplanungen. Im Zuge vorausschauender Stadtentwicklung bietet sich die Einrichtung eines Kompensationsflächenpools oder eines "Öko-Kontos" an.

   

Welche Bedeutung hat dies für die kommunale Planungsebene?


 

Aus der ganzheitlichen Betrachtungsebene heraus kann ein Freiflächenmanagement im gesamt-städtischen Zusammenhang oder auch auf Stadtteilebene entwickelt werden.

Entscheidungsprozesse können (und müssen) bei gleicher fachlicher Qualität schneller durchgeführt werden, da z.B. in Verbindung mit städtebaulichen Verträgen zeit- und raumvariable Ausgleichskonzepte möglich sind.

 

Die vom Naturschutzrecht aufgetragenen Verpflichtungen können vollständig in ein Gesamtkonzept eingebunden werden. Dies führt zu einer gesicherten Grundlage und besseren Vorbereitung für die Abwägungsprozesse sowie auch letztendlich zu einer höheren Effizienz der Ausgleich- / Ersatzmaßnahmen.

 

Die Analysen und Empfehlungen des Gesamtkonzeptes sind für weitere Planungs-aufgaben wie z.B. die Kommunale UVP oder die Grünordnungsplanung nutzbar.

 

 

Das "Integrierte Freiraumsystem" leistet ...


Anzahl kartierter Biotope

Umfassende und zielgerichtete Analyse des Raumzustandes sowie schutzgut- übergreifende Erfassung und Darstellung der funktionalen Zusammenhänge.

 

Synoptische Aufbereitung der raumrelevanten Informationen durch intelligente Datenbankkonzepte und/oder mittels Einbezug von GIS-Lösungen.

 

Erarbeitung sachlicher und räumlicher Leitbilder und Umweltqualitätsziele.

 

Verknüpfung der Freiflächenplanung mit der Bauleitplanung und anderen Fachplanungen durch integrative Ansätze, u.a. mit dem Ergebnis einer "Ökologisch orientierten Flächennutzungsplanung".

 

Verknüpfung der unterschiedlichen kommunalen Planungsebenen von der objekt--bezogenen Planung bis hin zu regionalen Bezugsfeldern.

 

Vorbereitung von Maßnahmenkonzeptionen und Konzipierung eines Kompensations-flächenpools bzw. Öko-Kontos.

 

Bündelung der umweltplanerischen Zielvorstellungen.

 

Das "Integrierte Freiraumsystem" liefert ...

IFS-Bonn Durchgrünungsgrad

Einen Grundlagenteil mit allen freiraum- bzw. umweltrelevanten Informationen, dargestellt in einem raumbezogenen System wie einem GIS und/oder einer Datenbank mit entsprechenden Kartenwerken auf der Ebene des Flächennutzungsplanes.

 

Ein Zielsystem zur räumlichen Entwicklung auf gesamtstädtischer und / oder Stadtteilebene.

 

Formulierung von geeigneten sach- und raumbezogenen Maßnahmenkonzepten.

 

Einen Kompensationsflächenpool oder ein Öko-Konto durch Ermittlung der eingriffsbezogenen Kompensationsbedarfe und Konzeptionen zu geeigneten und verfügbaren Kompensationsflächen.

 

Vorteile

  • Flexibilität des Gesamtsystems
  • Fortschreibungsfreundlichkeit
  • Integrativer konsensorientierter Ansatz
  • Einbindung in vorhandene Planungssystematik
  • Nutzung bestehender EDV-Systeme
  • Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse und methodische Durchlässigkeit für weitere Planungsebenen

Beispiel Bonn

Für die Bundesstadt Bonn sind mit dem "Bonn / Berlin-Gesetz" von 1994 umfangreiche Umstrukturierungen verbunden, deren Folgeerscheinungen die Stadtent- wicklungsplanung mit geeigneten Steuerungsinstrumentarien bewältigen muß.

 

In einem Pilotprojekt wurde im Zeitraum von 1995-1997 eine freiraumbezogene Konzeption für das gesamte Stadtgebiet erarbeitet. In enger Zusammenarbeit mit den maßgeblichen städtischen Ämtern und unter Federführung des Stadtplanungsamtes sowie mit fachlicher Begleitung eines externen Projektbeirates wurden räumliche und thematische Zielvorstellungen zur Raumentwicklung formuliert.

 

Das hierarchisch aufgebaute Zielsystem ist dabei auf allen kommunalen Planungsebenen - von der Region bis zum Ortsteil - anwendbar, da die Entwicklungsziele in einem der Maßstabsebene entsprechen-den Konkretisierungsgrad aufgelöst sind.

 

Grundlage für die Zielformulierungen sind die zielgerichteten Raumanalysen und -bewertungen der Umweltbelange unter Einbeziehung der bestehenden Planwerke zur Raumentwicklung (Wohnbau- und Gewerbeflächen, Infrastruktur, Landschafts- und Biotopentwicklung usw.).

 

Im Abgleich der z.T. differierenden Zielvorstellungen der unterschiedlichen Planwerke konnten in Bonn verschiedenste räumliche Zielkonflikte behoben werden. In mehreren Planungsmodellen bzw. Szenarien (Schwerpunkte: "Klima", "Erholung", "Biotop-/ Artenschutz" wurden die Basisinformationen und das Zielsystem thematisch aufgearbeitet.

 

Die räumliche und sachliche Überlagerung der verschiedenen Modelle erbrachte das Gesamtbild einer räumlichen Entwicklung, die siedlungsstrukturelle-, wirtschaftliche- und ökologische Entwicklungen miteinander verknüpft.

 

Da für die Projektbearbeitung die vorhandenen EDV-Systeme genutzt bzw. entsprechend berücksichtigt wurden, liegen alle relevanten raumbezogenen Daten in digitaler Form vor. Eine nahtlose Erhaltung und Fortschreibung der Daten kann so gewährleistet werden. Dies ist eine der entscheidenden Voraussetzungen für einen sinnvollen Einsatz in der Verwaltungspraxis.

 

In einer Folgearbeit wurde, um den vielfältigen Verflechtungen der Bundesstadt Bonn mit ihrer Region Rechnung zu tragen, im Jahre 2001/02 der Freiraumverbund für die Region aufgegriffen.

 

In dieser Projektskizze für die Stadt Bonn und ihre Nachbarkommunen wurde der Einsatz der Eingriffsregelung für eine regionale ökologische Raumentwicklung thematisiert. Die Philosophie des Projektes wird durch die folgenden Prinzipien und Leitsätze umschrieben:

 

  • Das Prinzip der kommunalen Selbstverantwortung
  • Das Prinzip der regionalen Zusammenarbeit
  • Das Prinzip der Partnerschaft
  • Das Prinzip der Konzentration der Kräfte
  • Das Prinzip der Effizienzsteigerung

Für die Umsetzung wurde ein 7-Punkte-Programm entwickelt und ein Leistungsbild des Handlungsprogrammes verfasst.

   

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